Schein statt Sein: Die Wahrheit über „garantierte“ Magazin-Cover im Model-Business
Viele angehende Models träumen verständlicherweise von dem Moment, in dem sie das erste Mal auf dem Cover eines großen Modemagazins zu sehen sind. Deshalb nutzen manche Model Coaches und dubiose Agenturen diesen großen Traum schamlos aus, um extrem teure Mentoring Programme oder Sedcard- hootings zu verkaufen. Sie werben oft mit glänzenden Versprechungen, dass sie dich auf das Cover von bekannten Magazinen in Paris, den USA oder Italien bringen. Doch hinter diesen glanzvollen Behauptungen steckt in der Realität meistens ein künstlich aufgebautes Marketing-System. In diesem Ratgeber entlarven wir die gängigsten Fallen, damit du dein Geld nicht für eine digitale Illusion ausgibst.
Wie funktioniert die „Submission Masche“ im Studio?
Zuerst musst du verstehen, wie echte, professionelle Buchungen in der Modewelt ablaufen. Ein seriöses Magazin bucht ein etabliertes Model über eine renommierte Mutteragentur und bezahlt das Model für den Job. Hingegen funktioniert das System der Schein-Agenturen genau umgekehrt. Hier wirst du als Model zur zahlenden Kundin gemacht.
Das System läuft folglich fast immer nach demselben Schema ab:
- Das Fließband Shooting: Du wirst in ein Fotostudio gelockt und bezahlst eine hohe Summe für ein Coaching oder Bildpaket. Zudem wird das Shooting oft im Akkord vor einer simplen, weißen Studiowand produziert.
- Die Einreichung auf Online Plattformen: Der Fotograf nutzt nach dem Shooting sogenannte „Submission-Plattformen“ im Internet. Sobald die Bilder hochgeladen sind, werden sie bei ausländischen Magazin Ablegern eingereicht.
- Kauf-Magazine ohne Reichweite: Diese Hefte (oft aus Bulgarien, Serbien oder weit entfernten Regionen) drucken fast jedes eingesendete Bild ab, weil sie sich rein über den Verkauf der Hefte an die Fotografen und Models selbst finanzieren. Schließlich liegt das Magazin niemals an einem deutschen Kiosk aus.
Wichtiger Hinweis: Wenn du dafür bezahlen musst, dass deine Fotos in einem unbekannten Auslands-Magazin abgedruckt werden, handelt es sich nicht um einen echten Modeljob, sondern um eine reine „Eitelkeits-Publikation“.
Die Täuschung mit den bekannten Weltmarken
Zwar prangen auf den Webseiten dieser Anbieter oft die Logos von weltberühmten Modezeitschriften, doch bei genauerem Hinsehen bricht die Fassade schnell zusammen. Die Anbieter nutzen die Tatsache aus, dass große Verlage ihre Markennamen als Lizenzen in kleinere, osteuropäische oder asiatische Märkte vergeben.
Deshalb wird aus einem simplen Studio-Foto mittels Photoshop plötzlich ein digitales „Cover“ mit dem Schriftzug einer bekannten Marke gebastelt. Für den unbedarften Betrachter auf Instagram sieht das absolut gigantisch aus. In Wahrheit weiß die Hauptredaktion des jeweiligen Magazins in Deutschland oder New York überhaupt nichts von der Existenz des Fotografen oder des Models. Es ist ein reiner Grafik Trick, um den Mentorings einen künstlichen High Fashion-Stempel aufzudrücken.
Der typische Coaching-Trichter: So wirst du gelockt
Damit du die Falle rechtzeitig erkennst, solltest du die typischen Werkzeuge des Online Marketings dieser Anbieter durchschauen. Normalerweise beginnt der Kontakt niemals mit einem echten Jobangebot, sondern mit einem strategisch aufgebauten Verkaufstrichter (Funnel):
- Das „Gratis Wissen“: Es werden kostenlose eBooks, Webinare oder „Persönlichkeitstests“ angeboten, um deine Kontaktdaten zu sammeln.
- Das kostenlose Strategiegespräch: Am Telefon wird dir intensiv geschmeichelt, um deine Sehnsüchte zu triggern. Gleichzeitig wird eine künstliche Verknappung erzeugt, indem man behauptet, man nehme nur wenige, exklusive Models auf.
- Die Knebelverträge: Am Ende wird dir ein vierstelliges „Mentoring Paket“ verkauft. Folglich bezahlst du tausende Euro für Standard Leistungen wie eine einfache WordPress-Website oder ein banales Studio-Shooting, die du überall für einen Bruchteil des Geldes bekommen hättest.
Fazit: Woran erkennst du echte Qualität?
Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine seriöse Agentur oder ein ehrlicher Mentor verdient Geld, während du Geld verdienst. Sie verlangen keine horrenden Vorauszahlungen für das Versprechen eines wertlosen Online-Covers.
Achte stattdessen auf reale Fundamente. Echte Qualität im Model-Business erkennst du an physischen Erlebnissen, realen Modenschauen mit greifbaren Modedesignern vor Ort und ehrlichem Location-Storytelling, anstatt an flachen Studio-Aufnahmen mit nachträglich draufgeklatschen Magazin-Logos. Bleibe skeptisch und schütze deine Karriere vor der teuren Cover-Illusion!